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Document sans titre Kommission für Höhlen- und Karstschutz

Zentralschweiz

Karst- und Höhlengewässer im Uno-Jahr des Wassers

Das Karstwasser bildet die wohl bedeutendste Trinkwasserreserve im Alpenraum. Das gilt
auch für die Zentralschweiz. Karst- und Höhlenforscher sind diesen verwinkelten
unterirdischen Wasserwegen auf der Spur.

VON MARTIN TRüSSEL *

Während sich die hohe Politik vom 16. bis 23. März 2003 in Kioto zum 3. Weltwasserforum trifft, fällt in Bern am 21. März der Startschuss zum offiziellen Jahr des Wassers in der Schweiz. Diese Aktivitäten stehen im Zeichen des «Uno-Jahres des Wasser 2003», das das «Jahr der Berge» ablöst. Die Lancierung des Themas Wasser kommt nicht von ungefähr, denn Wasser ist bekanntlich ein unersetzliches, ja lebenswichtiges Gut. Ohne Wasser gäbe es kein Leben. Doch Wasser an sich genügt nicht, was es braucht, ist sauberes, gesundes Trinkwasser. Und das wird weltweit immer mehr Mangelware. Die Schweiz rangiert in der von der Unesco erstellten Liste mit den Ländern der besten Trinkwasserqualität und den schärfsten Abwassergesetzen auf dem 16. Platz. Diese Stellung darf aber nicht darüber hinweg täuschen, dass auch in der Schweiz erhöhte Anstrengungen zum Schutz des Trinkwassers unerlässlich sind.

Steter Tropfen höhlt den Stein

In der Zentralschweiz stammt ein Grossteil des Trinkwassers aus Karstgebieten, also von Gebirgsregionen, die aus Kalkgestein aufgebaut sind. Der Kalk wird entlang von Klüften und Fugen vom leicht kohlesäurehaltigen Regen- und Schmelzwasser aufgelöst. Der Geologe und Höhlenforscher Thomas
Gubler hat den Kalkabtrag beispielsweise im Hinteren Melchtal berechnet. Dort führt die Melchaa Jahr für Jahr mindestens 6800 Tonnen vom Niederschlagswasser gelöstes Kalkgestein ab, dabei ist die erosive Kraft des Wassers noch nicht berücksichtigt. So entstehen über Hundertausende von Jahren unterirdische Wasserwege und somit auch weitverzweigte Höhlensysteme. Das drittlängste der Welt ist das Höllloch im Muotatal mit einem bislang bekannten Gangnetz von rund 185 km. Ausgedehnte Karst- und Höhlengebiete kommen in der Zentralschweiz nicht nur im Kanton Schwyz, sondern auch in Ob- und Nidwalden, Uri und Luzern vor. Dazu gehören insbesondere das hintere Melchtal OW und die Schrattenfluh LU, die zum ersten Unesco-Biosphärenreservat der Schweiz gehört. Nicht zu vernachlässigen sind aber auch all die zahlreichen mittelgrossen und kleineren Karstgebiete mit unterirdischer Entwässerung samt ihrer lokalen Quellen oder direkter Einspeisung ins Grundwasser.

Wenig reinigende Kraft

Im Gegensatz zum langsam fliessenden Grundwasser, wie es insbesondere im Schweizer Mittelland für die Trinkwasserversorgung verwendet wird, fliessen die Karstwässer viel schneller. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass das Karstwasser eine wesentlich geringere Wasserhärte aufweist als das Grundwasser. Nachteilig ist der entschieden geringere Reinigungseffekt. Deshalb kommt dem Gewässerschutz in Karstwasser-Einzugsgebieten eine besonders grosse Bedeutung zu. Pankraz Trüssel, Mitglied der in Gründung stehenden Höhlenforscher-Gemeinschaft Unterwalden (HGU), unterstreicht diese Tatsache: «Der zentrale Grund, hier besonders auf Naturkreisläufe achten zu müssen, besteht in der fehlenden Selbstreinigungskraft des unterirdisch rasch abfliessenden Wassers. Der Karstuntergrund weist im Gegensatz zu feinporigen Böden auch keine Filter- und Rückhaltewirkung auf. So führen schon kleinere Verunreinigungen des Wasser zu einer ungewöhnlich raschen und sehr weit reichenden Verseuchung des unterirdischen Kluftwassers und der Höhlenbäche.» Die unterirdischen Karstwasserwege sind meist kompliziert und geben den Hydrologen immer wieder Rätsel auf. Der Höhlenforschung kommt in diesem Bereich eine wichtige Rolle zu, indem sie die unterirdischen Wasserwege auskundschaftet, vermisst und kartografiert. Dafür sind oft tagelange Expedition in den Karsthöhlen nötig. Auf Initiative der Stiftung Naturerbe Karst und Höhlen Obwalden (NeKO) und der Nidwaldner Höhlenforscher erstellt die Höhlenforscher-Gemeinschaft Unterwalden (HGU) auf ihre bevorstehende Gründung hin, die Anfang April in Hergiswil angesetzt ist, eine detaillierte Karstverbreitungskarte für die beiden Halbkantone Ob- und Nidwalden im Modus des Geografischen Informationssystems (GIS). Diese Karte soll den Behörden und Entscheidungsträgern zugänglich gemacht werden. Damit wird ein aktiver Beitrag für den praktisch umsetzbaren Karstwasserschutz geleistet.

Sensibilisierung vorantreiben

«Aus den Augen, aus dem Sinn» ist hinsichtlich der Gewässerschutzproblematik ein bekanntes Sprichwort. Immer wieder treffen die Karst- und Höhlenforscher Felsspalten und Schächte an, in denen alter und neuer Zivilisationsmüll verbotenerweise zur Entsorung gelangte. Erst im Vorjahr wurde in einer aufwändigen Aktion in enger Zusammenarbeit mit der Höhlen-Gruppe Hergiswil, der Schweizer Armee und der Gemeinde Emmetten ein 70 m tiefer Höhlenschacht gereinigt, in dem tonnenweise Müll lagerten, der die regionale Trinkwasserversorgung hätte beeinträchtigen können. Ein im Aufbau befindliches flächendeckendes Inventar verschmutzter Karstobjekte soll solche Lokalitäten festhalten. Hubi Blättler ist innerhalb der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (SGH) Leiter der Höhlenschutz- Regionalgruppe Zentralschweiz. Er weist darauf hin, dass noch weitere Höhle, Höhlenschächte und Dolinen im Sinne des Gewässerschutzes dringend zu reinigen sind. Die Nutzer und Betreiber von Alp- und Skigebieten haben eine besondere Veranwortung bezüglich Karstwasserschutz. Eine überlaufende Jauchegrube beispielsweise, deren hoch konzentrierten Stoffe
unauffällig im Karstboden versickeren, können kilometerweit entfernt zu einer massiven Quell- und Trinkwasserverschmutzung führen. Aber auch für den Winterbetrieb ist eine sorgfältige Nutzung der Anlagen und Maschinen nötig, um keine kurz- und langfristigen Verunreinigungen zu verursachen. So
liess sich die Verunreinigung einer bereits vor Jahren geborstenen und längst wieder reparierten Abwasserleitung eines Restaurationsbetriebes im Gebiet der Melchsee-Frutt noch Jahre später feststellen, wie die Untersuchungen der Höhlenforscher-Gemeinschaft Trüssel (HGT) ergaben. Der Grund liegt darin, dass bei Hochwasser die belastenden Stoffe in normalerweise trockenen Höhlenspalten und -gängen abgelagert, bei einem der nächsten Hochwasserereignisse aber wieder aufgewühlt und weiterverfrachtet werden.


EXPRESS

  • Karstwasser wird zur wichtigsten Trinkwasser-Reserve im Alpenraum.
  • In der Zentralschweiz gibt es weiträumig Karstgebiete mit grossen Karstquellen.
  • Der Karst- und Höhlenforschung kommt in Zukunft hinsichtlich der Erkundung unterirdischer

Wasserwege eine zentrale Bedeutung zu. Kästchen

Zusammenschluss der Karst- und Höhlenforscher in Unterwalden

An einem internationalen Karstsymposium wurde folgende Resolution verabschiedet: «Das Karstwasser ist die wohl bedeutendste Trinkwasserreserve des alpinen Raumes. Deshalb ist die Wasserverunreinigung eine grosse Gefahr für die Wasserversorgung dieser und kommender Generationen. Unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass bei den meisten alpinen Quellen nur wenig über die Grösse und hydrologischen Parameter des Einzugsgebietes bekannt ist, so wird die Erforschung und der Schutz der Karstwässer zu einem wichtigen volkswirtschaftlichen Anliegen.» Um dieser Aufgabe auch in Zukunft gerecht zu werden, wurde im vergangenen Jahr die Stiftung «Naturerbe Karst und Höhlen Obwalden» (NeKO) gegründet, die von der Höhlenforscher-Gemeinschaft Trüssel (HGT), dem Kanton Obwalden sowie der Gemeinde und Korporation Kerns getragen und vom Buwal unterstützt wird. Neben ihr fördert auch der Kanton Nidwalden die Karst- und Höhlenforschung. Um den steigenden Herausforderungen gerecht zu werden, schliessen sich die in Ob- bzw. Nidwalden bereits seit Jahrzehnten tätige Höhlenforscher-Gemeinschaft Trüssel (HGT) und Höhlen-Gruppe Hergiswil (HGH) zur Höhlenforscher- Gemeinschaft Unterwalden (HGU) zusammen. Die Gründung findet sinnigerweise im «Uno-Jahr des Wassers» am 4. April in Hergiswil statt. mt

Bildlegenden

1 Der Graustock-Karst zwischen Engelberg und der Melchsee-Frutt als typische Karstlandschaft in der das
Regen- und Schmelzwasser unterirdisch in Höhlensystemen abfliesst. Foto: P. Trüssel

2 + 3 Die unterirdischen Wasserwege haben in der Schrattenhöhle, Melchsee-Frutt, verzweigte Höhlensysteme
gebildet. Im Uno-Jahr des Wassers 2003 kommen in der Zentralschweiz den Karstwasserwegen besondere
Bedeutung zu. Fotos: M. Trüssel.

* Martin Trüssel ist Präsident der Stiftung Naturerbe Karst und Höhlen Obwalden (NeKO), www.neko.ch

*Martin Trüssel, Fachjournalist BR, Heimenhausenstr. 24, 3377 Walliswil, Tel. 032 631 28 55, e-mail: info@neko.ch, PC-25-48891-3


30.04.2004 11:10







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